Es gibt viele Möglichkeiten, die Lebensqualität und weitgehende Selbstbestimmung eines betreuungs- und pflegebedürftigen Menschen sicherzustellen, ob zu Hause, in einer alternativen Wohnform oder im Pflegeheim. Dabei spielt die Unterstützung durch die Angehörigen eine herausragende Rolle. Aber auch Betroffene selbst können einiges für ihr Wohl tun.

Orientierung finden

Die meisten pflegebedürftigen Menschen haben den Wunsch, in gewohnter Umgebung von ihren Angehörigen versorgt zu werden. Das stellt diese vor viele Fragen, die dringenste lautet: Können und wollen wir die häusliche Pflege leisten? Meist werden die weiblichen Familienmitglieder , Ehefrauen, Partnerinnen, Töchter und Schwiegertöchter, mit dem Wunsch konfrontiert, die Hauptverantwortung für die Pflege und Betreuung zu übernehmen. Häufig wird diesem Wunsch entsprochen.

Die Leistung der pflegenden Angehörigen kann dabei gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, da die Pflege in der Regel hohe körperliche und psychische Anforderungen an sie stellt und ihr Privatleben oftmals grundlegend verändert. Häufig müssen sie eigene Pläne wie Urlaub oder einen Umzug verschieben, im Beruf kürzertreten, eine Pause einlegen oder im Extremfall sogar kündigen. Dadurch wird der eigene Lebensentwurf völlig verändert. Erschwerend kommt hinzu, dass in der Familie manchmal Konflikte entstehen, wenn Partner und Kinder sich vernachlässigt fühlen. Dann kann der Druck auf pflegende Angehörige so groß werden, dass sie der Gesamtbelastung nicht mehr gewachsen sind.

Umso wichtiger ist es, die Entscheidung für eine Übernahme der Pflege vorab gründlich zu überdenken - zum eigenen Wohl, dem des pflegebedürftigen Menschen und aller anderen Beteiligten.

Wenn Sie sich jedoch dazu entscheiden, die Pflege und Betreuung eines pflegebedürftigen Menschen zu übernehmen, so stellen Sie am besten schon im Vorfeld die Weichen zu einem reibungslosen Tagesablauf. Dazu gehören die Anpassung der Wohnung an die neue Situation, das Aneignen von Pflegewissen und nicht zuletzt die Einsicht, dass es allen Beteiligten nur dann gut gehen kann, wenn es auch Ihnen gut geht.


Ambulante Pflegedienste

Neben den Wohlfahrtsverbänden bieten privat-gewerbliche Träger ambulante Pflegedienste an. Die Leistungen umfassen neben der ausführlichen Beratung in der Regel

- Die Grundpflege                                                                                                                                      - Die Behandlungspflege und                                                                                                       - Die hauswirtschaftliche Versorgung.

Darüber hinaus bieten viele ambulante Dienste Zusatzleistungen an, wie beispielsweise Gesprächskreise, die Beschaffung von Hilfsmitteln, Mahlzeiten- und Einkaufsdienste.

Suchen Sie zunächst die Adressen nahe gelegener Anbieter heraus und bitten Sie um Zusendung von Informationsmaterial. Vergleichen Sie dann die Angebote hinsichtlich der Pflegeleistung, Preise und Gestaltung des Vertrags und treffen Sie eine engere Auswahl. Führen Sie mit diesen ambulanten Diensten ein kostenfreies Erstgespräch, um detaillierte Informationen zu erhalten, möglichst in Verbindung mit einem unverbindlichen Hausbesuch. Schon im Vorfeld sollten Sie gemeinsam mit dem pflegebedürftigen Menschen genau überlegen, welche Leistungen Sie benötigen. Die Planung kann sich sowohl auf die Art der Pflegetätigkeit als auch den Zeitpunkt beziehen.

 

Art der Pflegetätigkeiten                                                                                                       Welche pflegerischen Maßnahmen und Tätigkeiten übernehmen Sie ungern? Bei welchen fühlen Sie sich unsicher oder reicht Ihre Kraft nicht aus? In welchen Situationen ist es für den pflegebedürftigen Menschen unangenehm, auf Ihre Hilfe angewiesen zu sein? Überlassen Sie alle diese Tätigkeiten vertrauensvoll professionellen Pflegekräften.

Zeitpunkt                                                                                                                                   Vielleicht benötigen Sie besonders viel Hilfe an bestimmten Wochentagen, beispielsweise immer, wenn der pflegebedürftige Mensch ein Wannenbad nimmt? Oder benötigen Sie besonders viel Entlastung am Wochenende, um dann Zeit für Ihre Familie zu haben? Planen Sie die gewünschten Einsätze nach Ihren Bedürfnissen und in Absprache mit dem pflegebedürftigen Menschen. Legen Sie beim Erstgespräch Ihre Wünsche und Vorstellungen deutlich dar.

Leistung                                                                                                                                  Kann der ambulante Dienst alle Leistungen erbringen, die Sie benötigen? Die Klärung dieser Frage ist besonders wichtig, wenn Sie spezielle pflegerische Leistungen erwarten, wie beispielsweise die Versorgung eines Demenzkranken Menschen, einer beatmeten Patientin oder Sterbebegleitung. In diesem Zusammenhang sollten Sie auch klären, ob die medizinische Behandlungspflege von examinierten Pflegekräften durchgeführt wird. Wenn Sie einen demenzerkrankten Menschen versorgen, kann es auch wichtig sein, mit dem ambulanten Dienst zu klären, ob er Einzelbetreuung zu Hause nach dem Pflegeleistungsergänzungsgesetz (§ 45a SGB XI ) anbietet.                              

Bezugspflege                                                                                                                                      Niemand möchte von ständig wechselnden, unzureichend informierten Pflegekräften versorgt werden. Klären Sie daher im Vorfeld, ob die Betreuung und Pflege von einer festen Ansprechpartnerin verantwortet und organisiert wird. Die Zahl der regelmäßig eingesetzten Pflegekräfte sollte überschaubar sein, damit ein Vertrauensverhältnis zwischen Ihnen und dem pflegebedürftigen Menschen entstehen kann.

Flexibilität                                                                                                                  Können die Einsätze entsprechend den Gewohnheiten und Wünschen des pflegebedürftigen Menschen geplant werden? Dieser Punkt betrifft vorallem die Zeiten des Aufstehens und Zubettgehens. Können bei Bedarf auch kurzfristig zusätzliche Einsätze erfolgen, auch Nachts und am Wochenende?

Pflegeplanung und -dokumentation                                                                          Wird die geplante, individuelle Pflege mit dem pflegebedürftigen Menschen und mit Ihnen besprochen? Ist die Planung für Sie schlüssig? Die Pflegedokumentation ist gesetzlich vorgeschrieben. Sie spielt eine wichtige Rolle bei einer Überweisung ins Krankenhaus oder bei einem Wechsel des ambulanten Dienstes. Darüber hinaus dient sie als Nachweis der durchgeführten Pflege, da alle erbrachten Leistungen von den Pflegekräften aufgelistet werden müssen. Jeweils am Monatsende werden Ihnen diese Leistungsnachweise vorgelegt. Da die Pflegedokumentation bei Ihnen bleibt, können Sie jederzeit nachvollziehen, welche Leistungen erbracht wurden, und die monatliche Abrechnung überprüfen.

Kostenkalkulation                                                                                                     Ambulante Dienste mit einem Versorgungs- und Vergütungsvertrag rechnen die Kosten der Grundpflege, d.h. Körperpflege, Nahrungsaufnahme, Ausscheidung, Lagerung und Mobilisation sowie der hauswirtschaftlichen Versorgung mit der Pflegekasse ab. Dabei werden Pflegehandlungen, die häufig gemeinsam in Anspruch genommen werden, in "Leistungskomplexen" oder "Modulen" zusammengefasst und mit einer feststehenden Punktzahl bewertet. Daraus wiederum berechnet sich der Preis. Gerade weil das  Abrechnungssystem so kompliziert ist, sollte aus der Kalkulation deutlich hervorgehen, welche Kosten die Pflegekasse übernimmt und welche Leistungen privat zu zahlen sind. Lassen Sie sich, um nicht überrascht zu werden, einen Kostenvoranschlag machen, überprüfen Sie die Zahlen auf ihre Verständlichkeit und vergleichen Sie sie mit den aktuellen Vergütungsvereinbarungen zwischen Pflegekassen und Pflegediensten.

Vernetzung                                                                                                                Wichtig für eine umfassende pflegerische Versorgung ist auch die Frage, wie gut der Pflegedienst mit anderen Einrichtungen des Gesundheitsbereichs zusammenarbeitet. Kontakte können sich als sehr hilfreich erweisen, beispielsweise zu Apotheken, Sanitätshäusern, Tagesstätten sowie ärztlichen Versorgungszentren und Rehabilitationskliniken

 

 

Die Zusammenarbeit mit einem ambulanten Pflegedienst muss sich erfahrungsgemäß erst einspielen. Verlieren Sie also nicht vorzeitig die Geduld, sondern weisen Sie deutlich auf Ihr Anliegen und gegenfalls auf getroffene Vereinbarungen hin.

Entscheidend dafür, ob die Leistung ambulanter Dienste über die konkrete Hilfestellung hinaus eine wertvolle Entlastung bedeutet, ist weitgehend vom gegenseitigen Verständnis und der Sympathie zwischen allen Beteiligten abhängig.                                                                                                       


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